Der Knotenpunkt des Projekts: Fotografien, Dokumente, Interviews und Hinweise aus Eberswalde, Berlin und Maputo an einem Ort.

Die Bilder bekommen ihre Geschichte zurück
87 | 27 verbindet die Jahre, in denen die Bilder entstanden, mit der Gegenwart, in der sie zurückkehren: nach Eberswalde, an den Ort ihrer Entstehung, und nach Maputo, zu den Menschen, die auf ihnen zu sehen sind.
Eberswalde ↗
Wo die Bilder entstanden
HUB hat zwei Ebenen. Im heutigen Sprachgebrauch ist ein Hub ein Knotenpunkt. Hier laufen die Fäden des Projekts zusammen: Fengers Fotoalben, Akten, Interviews aus Maputo und jeder neue Hinweis.
Zugleich verweist HUB auf die Sprache der DDR Verwaltung. Dort wurden Unterkünfte ausländischer Werktätiger als Heimunterkunft oder Heimunterbringung geführt. Für die Männer aus Mosambik war das das Arbeiterwohnheim des VEB Walzwerk Eberswalde-Finow in der Leninstraße 108 in Eberswalde: zugewiesen vom Betrieb, kontrolliert, mit Regeln für Besuch und Freizeit. Im Wohnheim betrieb der Fotoclub des Kulturbunds ein Fotolabor, in dem Christian Fenger seine Filme entwickelte und die Abzüge herstellte. Hier entstanden auch viele seiner Bilder.
87
1987: Die ersten Arbeitnehmer aus Mosambik kommen ins Walzwerk, Christian Fenger beginnt im Januar, sie zu fotografieren.
27
2027: 40 Jahre danach. Bis dahin soll die Geschichte der Gruppe so weit wie möglich rekonstruiert sein.
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Der Strich trennt und verbindet: damals und heute, Eberswalde und Maputo.

Der Workspace Christian Fenger ist der interne Arbeitsbereich des Projekts. Dort liegen Recherche, Dokumentation und Material in Vorbereitung: digitalisierte Fotografien, Dokumente, Transkripte, Interviewmitschnitte und Notizen, darunter personenbezogene und noch ungeprüfte Angaben.
Deshalb ist der Zugang mit einem Passwort geschützt. Das Passwort gibt es auf Anfrage. Was im Workspace geprüft und freigegeben ist, erscheint hier auf der Website.
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Am 30. September 2024 trugen die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED Diktatur beim Deutschen Bundestag, Evelyn Zupke, und das Deutsche Institut für Menschenrechte in der Bundespressekonferenz in Berlin eine Forderung vor, auf die ehemalige Arbeitnehmer aus Mosambik seit 1990 warten: eine Entschädigung für ihre Jahre in der DDR.


Zwischen 1979 und Ende 1989 reisten 22.161 Frauen und Männer aus Mosambik in die DDR ein, um in ihren Betrieben zu arbeiten, auch im VEB Walzwerk Eberswalde-Finow. Das Regierungsabkommen von 1979 sah vor, einen Teil ihres Lohnes einzubehalten und nach der Rückkehr in Mosambik auszuzahlen. Einbehalten wurden 25 bis 60 Prozent. Das Geld floss in den Staatshaushalt der DDR und wurde mit den Schulden Mosambiks verrechnet. Bei den meisten kam es nie an. Auch ihre Beiträge zur Sozialversicherung der DDR sind nie zu Renten geworden.
30. Juli 1990
83 Mosambikaner des Walzwerks Eberswalde-Finow werden fristgemäß gekündigt, noch vor dem Einigungsvertrag.
Sept. 1990
Die ersten Männer der Eberswalder Gruppe kehren nach Mosambik zurück.
Dez. 1990
Erster Protestmarsch der Madgermanes vor dem Arbeitsministerium in Maputo.
1995
Erste Magdeburger Konferenz zu den offenen Lohnforderungen.
Sept. 2003
Bei einer Demonstration in Maputo wird Virgílio A. von der Polizei erschossen.
2004
41 ehemalige Arbeitnehmer besetzen die deutsche Botschaft in Maputo.
2019
Zweite Magdeburger Konferenz „Respekt und Anerkennung“.
30.09.2024
Die Madgermanes erneuern in Berlin ihre Forderungen.
Grundlage war ein Appell vom 5. August 2024. Er verlangt eine unbürokratische, pauschale Entschädigung, gestaffelt nach der Dauer von Vertrag und Aufenthalt, wenn möglich verbunden mit einer Lösung der offenen Rentenansprüche. Im Gespräch waren 4.000 bis 6.000 Euro pro Person, zusammen rund 50 Millionen Euro. Unterstützt wird der Appell unter anderem von Almuth Berger und Markus Meckel, dem letzten Außenminister der DDR.
Die Bundesregierung verwies 2024 darauf, dass alle Verpflichtungen aus dem Abkommen erfüllt seien. Forderungen seien an Mosambik zu richten. Nach der Wiedervereinigung hatte Deutschland Mosambik 75 Millionen DM Entwicklungshilfe gezahlt, bei den Betroffenen kam davon kaum etwas an. Die Forderung von 2024 blieb bis heute ohne Ergebnis, eine Entschädigung gibt es nicht.
Zu den Betroffenen gehören auch die Männer, die Christian Fenger ab 1987 in Eberswalde fotografiert hat. Arnaldo Soares Mendes wartet bis heute auf die Auszahlung seines Lohnanteils. Mehr zu den Madgermanes in Maputo
Quellen: Deutscher Bundestag, Meldung der SED Opferbeauftragten zur Bundespressekonferenz vom 30.09.2024; Appell für eine kurzfristig zu erreichende Regelung, 5. August 2024; evangelisch.de, 30.09.2024; taz, Warten auf Lohn seit 34 Jahren.
Eine Auswahl aus dem fotografischen Archiv, direkt eingebunden aus der Bildverwaltung. Die vollständige Übersicht aller Alben findet sich im Archiv.


Der Titel „87 | 27“ markiert einen Zeitraum von vierzig Jahren: von den ersten Aufnahmen 1987 im VEB Walzwerk Eberswalde-Finow bis zum geplanten Projektabschluss 2027. Vierzig Jahre, das ist ein Arbeitsleben: Die Männer kamen als junge Arbeitnehmer, 2027 stehen viele am Ende ihres Erwerbslebens. Zwischen diesen beiden Punkten liegt eine Geschichte, die über das Bildarchiv hinausreicht: die der mosambikanischen Arbeitnehmer, die in den 1980er Jahren in die DDR kamen, und ihrer Lebenswege nach 1990 zwischen Mosambik und dem wiedervereinigten Deutschland.
Dieser Themenbereich befindet sich im Aufbau. Er soll künftig Kontexte, Biografien und Verbindungen zwischen den Fotografien von 1987 bis 1990 und der Gegenwart sichtbar machen, als eigenständige Erzählung neben dem reinen Bildarchiv.
Hier entstehen die Videoausschnitte des Projekts: Passagen aus den Zeitzeugeninterviews in Maputo, aus dem Kurzfilm „Base Camp Germany“ von Jason Byrne (2014) und aus dem ZDF Film von 1992. Die Clips werden eingebunden, sobald Schnitt und Freigaben abgeschlossen sind.
Weitere Interviews mit ehemaligen mosambikanischen Arbeitnehmern aus dem Walzwerk werden aufgezeichnet. Sie sprechen über ihre Zeit in Eberswalde und ihr Leben heute.
Fengers Bilder bleiben nicht im Archiv. Sie werden gezeigt, und jedes Mal stellt sich dieselbe Frage: Wer sind die Männer auf den Fotos? Manchmal meldet sich jemand mit einer Antwort.

(Afrika-Haus Berlin, 30.9.2022) Ein Abend über die früheren „Vertragsarbeiter“ in der DDR und die Jahre nach der Wende, erzählt am Beispiel Eberswalde. Dazu wurden erstmals die Fotografien von Christian Fenger gezeigt. Zu Gast war José Mafueca, der selbst aus Mosambik in die DDR kam und heute in Berlin lebt.
(Dezember 2023) Die Ausstellung erzählte von angolanischen Arbeitnehmern in der DDR. In Eberswalde lebten Angolaner und Mosambikaner im selben Wohnheim in der Leninstraße 106 und 108. Fengers Bilder zeigen die Mosambikaner aus dem Walzwerk.

(Potsdam, 27.11.2025 bis 22.3.2026) Das Brandenburg Museum zeigte Fengers Fotografien, ohne Namen der Abgebildeten. Erst im April 2026 erkannte jemand in Maputo auf einem der Bilder Damas Orlando.
1987 kamen die ersten Männer aus Mosambik ins Walzwerk Eberswalde-Finow. 2027 liegt das vierzig Jahre zurück. Die Fotomontage zeigt, wohin HUB 87 | 27 will: Christian Fengers Bilder zurück in den Stadtraum von Eberswalde, groß und öffentlich, dort, wo sie entstanden sind.

Maputo ↗
Die Madgermanes aus Eberswalde
Konzeption, Projektentwicklung und Redaktion
Thomas Balzer
Recherche und Interviews in Mosambik und Deutschland
Stélio Guibunda
Thomas Balzer
Kamera
Stélio Guibunda
Norman Gäbler
Benjamin von Essen
Nils Woitschach
Thomas Balzer
Matthias Seldte
„Amadeu Antonio“ (1992)
Georg Denzer
„Überleben in Eberswalde“ (2000)
Bert Peschel
„Überleben in Eberswalde“ (2000)
Assistenz
Nils Woitschach
Webentwicklung und technische Umsetzung
Arvid Misc, Thomas Balzer
Fotografie
Christian Fenger – historische Fotografien
Sammlung und Archiv
DOMiD, Sicherung der überlassenen Originalabzüge
Dank für die Unterstützung
Andreas Mroß
Arnaldo Soares Mendes
Augusto Jone Munjunga, Palanca EW
Bengü Kocatürk-Schuster, DOMiD
Dr. Britta Klöpfer, VG Bild-Kunst
Kordula Steinke
Mariia Kryvokhyzhyna, EW
Sibylle Hubatschek-Rahn, ZDF
Stélio Guibunda
Uta Ross
Amadeu Antonio (1992)
Buch, Regie und Schnitt: Thomas Balzer
Kamera: Matthias Seldte
Ton: Ed Cantu
Redaktion: Sibylle Hubatschek-Rahn
Sender: ZDF, Das kleine Fernsehspiel
Base Camp Germany (2014)
Kurzfilm von Jason Byrne und Helge Elisabeth Zeitler
Dreh in Mosambik ab 2010, veröffentlicht 2014
Länge: [ergänzen]
Vimeo: [Link ergänzen]
Überleben in Eberswalde (2000)
Buch und Regie: Thomas Balzer
Kamera: Georg Denzer, Bert Peschel
Ton: Hendrik Büttner, Sören Salzer
Schnitt: Mathias Paduch
Tonmischung: Jörg Höhne
Sprecherin: Maria Gräfe
Produktionsleitung: Stefan Pahlke
Redaktion: Thomas Janssen · ZDF/3sat; Karin Rieppel · DIE ZEIT TV
Produktion: DIE ZEIT TV im Auftrag von ZDF/3sat
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